In einem Schreiben vom 1. Mai 2007 an die Adresse der Ständigen Vertretung der Türkei bei den Vereinten Nationen in Genf, Schweiz, erklärt Kobia, dass “Kirchen sowie Bürger und Bürgerinnen aufmerksam verfolgen, ob die Behörden in dem Fall [der drei ermordeten Christen] für Gerechtigkeit sorgen und weitere Verbrechen verhindern”.
Das Schreiben enthält eine “beklagenswerte Liste” von Verbrechen, die “scheinbar von Hass auf ganze Personengruppen ausgelöst werden”. Die Liste erwähnt auch die Ermordung des armenischen Journalisten Hrant Dink und des katholischen Priesters Bruder Andrea Santano.
Darüber hinaus wird auf eine Reihe von Vorfällen hingewiesen, die zu Drohungen und Gewaltanwendung gegen Angehörige religiöser Minderheiten geführt haben. In diesem Zusammenhang gehören “Presseberichte über geplante Anschläge auf das Leben der Führer zweier ÖRK-Mitgliedskirchen in der Türkei”, nämlich des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und des Armenischen Patriarchen Mesrob II.
Der ÖRK-Generalsekretär weist darauf hin, dass angesichts dieser Vorfälle “Kirchen und Menschen guten Willens auf der ganzen Welt alarmiert sind”, und erklärt, dass die zuständigen Regierungsbehörden “für die Einhaltung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit sorgen” sollten, “die alle Bürger schützt, einschließlich diejenigen, die Gegenstand dieses Schreibens sind”. Insbesondere, so Kobia, “erwarten wir, dass sich die Achtung der Menschenwürde – sozial, politisch und religiös – in der Behandlung von Kirchen und anderen religiösen Minderheiten widerspiegelt”.
Während in dem Schreiben “die ausdrückliche Verurteilung solcher Morde durch Regierungsvertreter” als ein “wichtiger positiver Faktor” bezeichnet und die Unterstützung der Regierung für “die in der türkischen Verfassung festgelegte Religionsfreiheit” hervorgehoben wird, heißt es dort auch, dass “Fortschritte bei der Behandlung dieser Themen” im Einklang mit der “einzigartigen Geschichte” und dem Beitrag der Türkei “zum Frieden in einer pluralistischen Welt” stehen würden.
]]>Schockiert über die Morde an den drei Christen in der Türkei haben sich Kirchenvertreter und Politiker in Deutschland geäussert. Mehrere Täter drangen am 18. April in Malatya in ein Gebäude ein, in dem ein kleiner christlicher Verlag untergebracht ist. Sie fesselten ihre Opfer an Händen und Füssen und schnitten ihnen die Kehlen durch. Die Angreifer töteten einen Deutschen und zwei Türken.
Nach Angaben des TV-Senders CNN-Turk nahm die Polizei inzwischen sechs Verdächtige fest. Mehrere Nachrichtenagenturen sprechen von vier Verdächtigen. Die Opfer waren Mitarbeiter des Zirve-Verlags, der Bibeln, Bibelteile und andere christliche Literatur sowie Devotionalien verbreitet. Das Verlagshaus wurde bereits vor sechs Jahren gegründet, seit 2001 trägt es den Namen Zirve. Der Verlag war nach Angaben seines Besitzers Hamza Özant wiederholt von türkischen Nationalisten bedroht worden. Diese werfen dem Verlag vor, Bibeln zu verteilen und damit “missionarisch” tätig zu sein.
Der Ratsvorsitzende des Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber (Berlin), reagierte “erschüttert” auf die Bluttat: “Dass auch ein Christ aus Deutschland unter den Opfern ist, bringt uns das Geschehen besonders nahe.” Anlass des grauenhaften Geschehens sei, dass der Verlag in der Osttürkei Bibeln verteile. Dieses “Wort des Lebens” anderen anzubieten, dürfe niemals Grund dafür sein, Menschen an Leib und Leben zu bedrohen. “Unser tiefes Mitgefühl und unser Gebet gilt denen, die um die Opfer trauern”, so Huber.
Mit “Entsetzen” hat der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier auf den Überfall auf das christliche Verlagshaus in der Türkei reagiert. “Ich verurteile diese furchtbare Tat auf das Schärfste”, erklärte er am Rande seines Besuchs in Panama. “Die Umstände dieser Tat müssen vollständig ans Licht gebracht werden”, forderte Steinmeier.
Der Vorsitzende des Europaausschusses des deutschen Bundestages, Matthias Wissmann, sagte der Nachrichtenagentur epd, die schreckliche Tat zeige, dass der Respekt vor den christlichen Minderheiten in der Türkei keineswegs selbstverständlich sei.
Der menschenrechtspolitische Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im deutschen Bundestag, Volker Beck, nannte den Anschlag “erschreckend und von beispielloser Brutalität”. Er forderte die islamische Geistlichkeit auf, “deutlich zu machen, dass Glaubenswechsel und Missionierung, also das Werben für den eigenen Glauben, als Teil der Glaubensfreiheit für alle Glaubensgemeinschaften gleichermassen unveräusserlicher Teil der Menschenrechte” seien. In der Türkei ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Attentaten auf Christen gekommen. Im Februar 2006 erschoss ein Jugendlicher einen römisch-katholischen Priester in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer. Anfang dieses Jahres ermordete ein junger Nationalist den aus Malatya stammenden armenisch-türkischen Publizisten Hrant Dink.
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