In einer Botschaft an die ÖRK-Mitgliedskirchen im Nahen Osten, die auch an die anderen Mitgliedskirchen weltweit gesandt wurde, rief der ÖRK-Generalsekretär Dr. Samuel Kobia am 7. Januar “alle Christinnen und Christen in der Welt auf, für Frieden zu beten und, wann immer möglich, ihre Regierungen aufzufordern und zu ermutigen, sich für die Überwindung der Feindschaft und für Versöhnung einzusetzen.”
Kobia forderte erneut das Ende der Feindseligkeiten und neue Verhandlungen für ein Abkommen, durch das ein gerechter und dauerhafter Frieden für beide Seiten, Palästinenser und Israelis, gesichert wird.
Ein solches Friedensabkommen müsse “die Wiederherstellung der Waffenruhe auf beiden Seiten der Grenze und eine schnellere Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens” vorsehen und die “Achtung des Völkerrechts in Bezug auf Menschenrechte, humanitäre Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung in Krisengebieten seitens der Behörden” beinhalten.
Die Botschaft des ÖRK-Generalsekretärs ist die Antwort auf die Aufrufe und Sorgen der Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem bezüglich der aktuellen Situation im Gazastreifen.
]]>“Die Mitgliedskirchen des ÖRK glauben, dass christliche Gemeinschaften im Heiligen Land ein historischer und wesentlicher Bestandteil der Region sind und dass ihre Zukunft und ihr Wohl mit der Zukunft und dem Wohl von Muslimen und Juden verbunden ist,” sagt Kobia.
Kobia wird mit den Oberhäuptern der Kirchen in Jerusalem zusammen treffen, in der dortigen St. Georgskathedrale predigen und einige biblische Stätten in der Nähe von Jerusalem und Galiläa besuchen.
Treffen mit den wichtigsten Rabbinaten Israels, dem Höheren Islamischen Rat und dem Mufti von Jerusalem und Palästina sind geplant, ebenso wie hochrangige Begegnungen sowohl mit der israelischen Regierung als auch mit der palästinensischen Behörde.
Der ÖRK-Generalsekretär wird Yad Vashem besuchen, eine Erinnerungsstätte an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust, und die Westliche Mauer, ein Überrest des jüdischen zweiten Tempels. Kobia wird an einem Gottesdienst in der Synagoge und an einer Sabbat-Mahlzeit teilnehmen.
Auch ein Besuch der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem steht auf dem Programm. Zu der Reise gehören direkte Kontakte – unter anderem in palästinensischen Städten und Flüchtlingslagern am Westufer – mit den Nöten der Palästinenser, die durch die israelische Besetzung ihrer Gebiete verursacht werden.
Kobia wird mit Freiwilligen zusammen treffen, die im Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) arbeiten und ihre tägliche Arbeit mit Flüchtlingen, israelischen Friedensgruppen und an den Übergangspunkten in der Trennungsgrenze kennen lernen.
]]>Teilnehmende von Australien bis Schweden, von Kanada bis Südafrika veranstalten Friedensmärsche, werden bei ihren Regierungen vorstellig oder halten öffentliche Foren ab. Zum Auftakt der Woche findet am Sonntag, dem 3. Juni, in Jerusalem ein ökumenischer Gottesdienst statt.
Kirchliche Gruppen in den USA werden sich öffentlichen Demonstrationen anschließen. Pax Christi und die römisch-katholische Kirche entsenden gemeinsame Delegationen nach Brüssel und in andere europäische Hauptstädte zu Gesprächen mit der Europäischen Union und Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten. Der südafrikanische Rundfunk ist gebeten worden, Talkshows mit ökumenischen Begleitpersonen auszustrahlen, die als Freiwillige im Namen des ÖRK Menschen, die von der Besetzung betroffen sind, zur Seite gestanden haben. In Sydney wird im Anschluss an eine interreligiöse Gebetsfeier zusammen mit der dortigen palästinensischen Gemeinschaft ein Ölbaum gepflanzt. Bei den meisten Veranstaltungen der Woche sind alle Glaubensgemeinschaften willkommen.
An einigen Orten, speziell in den nordischen Ländern, sind kirchliche Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Frieden im Nahen Osten an der Tagesordnung. Andere Kirchen beteiligen sich zu diesem Thema erstmals im Rahmen dieser ÖRK-Initiative.
Die Initiative trägt den Titel “Weltweite Aktionswoche der Kirchen für Frieden in Palästina und Israel, 3.-9. Juni 2007″.
Dem ÖRK sind bereits Veranstaltungen in 14 Ländern bekannt, und es treffen weiter Informationen aus den mehr als 100 Ländern ein, die die Mitgliedschaft des ÖRK und von Pax Christi sowie des Lutherischen Weltbundes ausmachen, der die Initiative ebenfalls unterstützt.
Die bei der ökumenischen Feier in Jerusalem verwendeten Gebete und Lesungen sind weltweit verteilt worden und auf breites Interesse gestoßen. Auf den Philippinen, in den Niederlanden und in verschiedenen Gemeinden in Australien, um nur diese Beispiele zu nennen, werden die Gottesdienste, die diese Liturgie verwenden und die zeitgleich mit der Feier in Jerusalem stattfinden, vermutlich gut besucht sein. Viele sehen darin eine besondere Form der Solidarität mit den Menschen, die nun im 40. Jahr in einem besetzten Land leben.
Anstrengungen für den Frieden zwischen Israel und Palästina stehen seit 1948 immer wieder auf der Tagesordnung der Leitungsorgane des ÖRK, und die Bedeutung dieses Anliegens für die Mitgliedskirchen hat mit dem Fortbestehen des Konflikts eher noch zugenommen.
Weitere Informationen zu nationalen Veranstaltungen im Rahmen der Initiative “Weltweite Aktionswoche der Kirchen für Frieden in Palästina und Israel, 3.-9. Juni 2007″, so wie andere Dokumente, finden Sie (auf Englisch) unter:
]]>“Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland unternimmt eine Begegnungsreise durch das Heilige Land. Das geschieht in dieser Form zum ersten Mal. Wir werden viele Menschen treffen, alte Kontakte auffrischen, neue Begegnungen erleben, wir werden von Schwierigkeiten der christlichen Kirchen hören, aber auch Klärungen und Fortschritte der Verständigung feiern können. Aber der Morgen des ersten Tages unserer Reise führt uns – nach der freundlichen Begrüßung gestern Abend durch den deutschen Botschafter, den Propst und die deutsche evangelische Gemeinde – zuerst hierher, nach Yad Vashem, an den Ort der Erinnerung und der Mahnung.
Diese Gedenkstätte ist für mich persönlich bei jedem Besuch in Jerusalem ein wichtiges Ziel. Heute ist Yad Vashem für den gesamten Rat der EKD und alle, die mit uns gekommen sind, gleichsam unser Tor nach Israel, und das aus Gründen, die für uns unumgänglich sind. Wir wollen die Stätten des Heils hier in Jerusalem und im Heiligen Land nicht betreten, ohne zuvor die Stätte der Erinnerung an das Unheil der Shoah aufzusuchen und unsere Herzen für diese Erinnerung zu öffnen. Als Delegation aus Deutschland wollen wir unseren Weg durch Israel hier beginnen, in Achtung und Respekt vor den Opfern von Willkür, Grausamkeit und tötender Gewalt, verübt durch das nationalsozialistische Deutschland. In Demut und Beschämung beugen wir uns vor dem unendlichen Leid, das von Deutschen, auch von Christen in Deutschland ausgegangen ist, und das in dieser Gedenkstätte Gesicht und Namen, Anschauung und Konkretion erhält. Hier in Yad Vashem bekennen wir uns dazu, dass uns das Einmalige und Unvergleichliche dieses Geschehens bewusst ist. Miteinander wollen wir unseren Glauben und unsere Kraft dafür einsetzen, dass sich etwas Derartiges nie wiederholt. Miteinander treten wir auch klar und entschieden denjenigen entgegen, die den Völkermord am europäischen Judentum leugnen wollen oder sich der politischen Verantwortung verweigern, die daraus folgt.
Wir wollen am Beginn unseres Besuchs in Israel anknüpfen an die berühmten Sätze, die der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland im Oktober 1945 in seinem Stuttgarter Schuldbekenntnis formuliert hat, als er sich dazu bekannte, dass auch durch uns “unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden” ist und dass wir in den finsteren Zeiten der nationalsozialistischen Herrschaft “nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben”. Erst Jahre später wurde das “Schuldbekenntnis der Kirche” bekannt, das Dietrich Bonhoeffer bereits im Jahr 1940 formuliert hatte und in dem es heißt: “Die Kirche bekennt, die willkürliche Anwendung brutaler Gewalt, das leibliche und seelische Leiden unzähliger Unschuldiger, Unterdrückung, Hass, Mord gesehen zu haben, ohne ihre Stimme für sie zu erheben, ohne Wege gefunden zu haben, ihnen zu Hilfe zu eilen. Sie ist schuldig geworden am Leben der Schwächsten und Wehrlosesten Brüder Jesu Christi”. “Brüder Jesu Christi” hatte Bonhoeffer später in seinem Manuskript ausdrücklich hinzugesetzt. Er wollte damit den Bezug auf die Juden deutlich machen und die kirchliche Schuld an der Shoah zur Sprache bringen. Heute machen wir das zu unserem eigenen Bekenntnis.
Denn erst diese Wahrhaftigkeit lässt aus der Erinnerung Orientierung für die Gegenwart erwachsen. Es sind doch nicht abstrakte Zahlen von Juden, die im Dritten Reich um ihr Leben gebracht wurden, sondern es sind Väter und Mütter, Kinder und Geschwister, es sind Schneider und Ärzte, Hausfrauen und Musiker, die in den Tod getrieben wurden. Man muss die einzelnen Gesichter, die persönlichen Biographien erinnern, um den Abgrund zu spüren, an den uns diese Gedenkstätte führt. Erst die Wahrheit und die Würde eines jeden einzelnen Lebens macht die Erinnerung konkret, erst die Wucht eines nachvollzogenen individuellen Schicksals kann zur Orientierung werden für die Verantwortung und die Aufgabe, die wir auch in die nächste und übernächste Generation zu tragen haben, wenn die Zeitzeugen und Überlebenden nicht mehr unter uns sind.
Ich komme auch als Berliner Bischof hierher nach Yad Vashem. Ich komme aus der Stadt, von der das Unheil ausging. In Berlin fand die unsägliche Wannseekonferenz statt; hier lebten Menschen wie Hitler und Himmler, Heydrich und Eichmann. Aber zugleich verbinde ich mit Berlin auch die Erinnerung an die Synode der EKD in Weißensee, bei der im Jahr 1950 zum ersten Mal namens der evangelischen Kirche die Schuld an der Verfolgung der Juden in Europa ausdrücklich benannt und eingestanden wurde. Die Synode erklärte ihre Bereitschaft, angesichts dieser Schuldgeschichte neu und anders über das jüdische Volk, über unseren in diesem Volk geborenen Erlöser Jesus Christus und über den christlichen Antijudaismus nachzusinnen. Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben seither viele wichtige Schritte unternommen, um den Ungeist antijüdischen Denkens aus unseren Gebeten und Liedern, aus unserem Glauben und unserer Theologie zu tilgen. Immer wieder haben sich einzelne Landeskirchen, aber auch die EKD als ganze unzweideutig gegen alle Formen des Antisemitismus ausgesprochen.
Aber diese Aufgabe begleitet uns auch in die Zukunft: Das immer wieder neue Aufflackern von Antisemitismus in Deutschland beschämt uns. Wir treten als Kirchen deutlich dagegen ein, in großer Solidarität mit den jüdischen Gemeinden und dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Damit diese Verpflichtung gegenwärtig bleibt, müssen auch unsere Kinder und Kindeskinder wissen, welche Verantwortung auf unser aller Schultern liegt. Die Wahrhaftigkeit in der Begegnung mit unserer Geschichte ist der einzige Weg in die Zukunft, um aus Erinnerung Orientierung werden zu lassen. Auch in Zukunft stellt sich die evangelische Kirche ihrer historischen Verantwortung, sie wird der erinnernden Wahrheit auch weiterhin die Ehre geben. Sie wird deshalb an der tiefen Solidarität mit Israel festhalten und sich an dem Mühen um Gerechtigkeit und Frieden nach Kräften beteiligen. Dabei vertrauen wir auf den HERRN, der will, “dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, dass Treue auf der Erde wachse, und Gerechtigkeit vom Himmel schaue” (Psalm 85, 11 f.).”
]]>Im Nahostkonflikt spielen Land und Besitzansprüche darauf eine besondere Rolle. Wem gehört das Land? Das Recht der Nassars auf ihr Land auf einem Hügel südlich von Bethlehem ist durch Papiere aller Mächte, die Palästina seit hundert Jahren beherrschten, verbrieft. Sie haben osmanische, britische, jordanische und israelische Papiere. Dennoch erheben israelische Siedler Anspruch auf ihr Land.
Familie Nassar ist ständig auf ihrem Land präsent und betreibt dort Landwirtschaft. In den letzten Jahren hat sie zudem ein einfaches christliches Freizeit- und Begegnungszentrum eingerichtet. Parallel vertritt die Familie seit 15 Jahren ihr Besitzrecht vor israelischen Gerichten.
Die Hügel ringsum sind schon von jüdischen Siedlungen besetzt. Auf faszinierende Weise lebt Familie Nassar christliches Zeugnis in dieser schwierigen Situation. Den Anspruch auf ihr Land verbindet sie mit der aktiven Hoffnung, dass die gegenwärtigen Konflikte überwunden werden können und Frieden in Gerechtigkeit möglich wird. – Rechtsträger des Projekts ist das Bethlehem Bible College.
Daoud Nassar wird am Mennonitischen Gemeindetag in Karlsruhe 17.-20.5.07 teilnehmen und in einer Arbeitsgruppe berichten. Die Preisverleihung wird am 20.5.07 um 17 Uhr im Ev. Gemeindehaus in Rottenburg/Neckar stattfinden. Anschließend findet um 19.30 Uhr eine Andacht am Galgenbuckel beim Sattler-Gedenkstein statt.
Der Michael-Sattler-Friedenspreis erinnert an den Täufer Michael Sattler, der am 20.5.1527 in Rottenburg wegen seiner gewaltfreien Friedenshaltung und seines christlichen Zeugnisses verbrannt wurde. Neben Sattler wurden damals auch einige andere Täufer hingerichtet. Seine Frau wurde einige Tage danach im Neckar ertränkt.
Weitere Informationen zum Projekt unter: www.tentofnations.org
mennonews.de