Tveit übermittelte Papst Shenouda das Mitgefühl und die Unterstützung der ÖRK-Mitgliedskirchen in dieser für Ägypten so schwierigen Zeit. Er versicherte, die Gemeinschaft der Kirchen, die gemeinsam den ÖRK bildeten, sei im Gebet für die Koptische Orthodoxe Kirche und das ganze ägyptische Volk vereint. Der ÖRK-Generalsekretär bezeichnete das Kreuz als Symbol der Solidarität, das Christen in aller Welt miteinander teilten. „Das Kreuz erinnert uns immer wieder an das Leid im menschlichen Leben und an Christi Tod am Kreuz, aber als christliches Symbol weist es auch auf die Auferstehung, auf Versöhnung und Frieden hin“, erklärte Tveit.
In seiner Botschaft zum Weihnachtsfest, das die koptischen Christen am 7. Januar gefeiert haben, betonte Papst Shenouda die Liebe und den Frieden Gottes für alle. „Es ist ermutigend zu sehen, wie seine Botschaft sowohl Christen als auch Muslime inspiriert hat, sich gemeinsam der Gewalt und den Versuchen, das Volk zu spalten, entgegenzustellen,“ sagte Tveit, und fügte hinzu: „ Papst Shenouda zeigt, dass gut ausgeübte geistige Führerschaft gewaltigen friedensstiftenden Einfluss haben kann.“
Tveit wurde auf der Reise nach Kairo von ÖRK-Programmdirektor Pastor Dr. Hielke Wolters und von der Programmreferentin für den christlich-muslimischen Dialog Rima Barsoum begleitet.
]]>Die Ratsvorsitzende und Bischof Schindehütte stellen dazu fest, dass die unterschiedlichen Auffassungen „bezüglich des geistlichen Dienstes von Frauen in der Kirche Jesu Christi“ bisher „kein Hinderungsgrund für fruchtbare zwischenkirchliche Beziehungen auf bilateraler und multilateraler Ebene“ gewesen seien. Es sei vielmehr „ein christliches Gebot des gegenseitigen Respekts im geschwisterlichen Umgang, Unterschiede im Leben und Glauben unserer Kirchen auszuhalten und um den gemeinsamen Grund zu wissen, wie der Apostel Paulus an die Epheser schreibt: „,Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe‘“, heißt es in dem Brief weiter.
Die „kürzlich eingetretene Entwicklung“ hingegen bedaure die EKD sehr. Das für den 30. November in Berlin geplante Treffen anlässlich der Feiern zum 50-jährigen Jubiläum des Dialoges zwischen EKD und ROK werde leider aufgrund der Absage von Erzbischof Hilarion nicht stattfinden können. Von Seiten der EKD aber, so das Schreiben weiter, sei man an der Fortsetzung des „wichtigen theologischen Dialogs über christliche Zentralfragen“ interessiert und zuversichtlich, dass dieser Dialog in Zukunft weitergeführt werde.
]]>Die Vorbereitungen für ein panorthodoxes Konzil, in orthodoxen Kreisen auch “Heiliges und Grosses Konzil der Orthodoxie” genannt, begannen bereits in den siebziger Jahren, wurden jedoch in den neunziger Jahren wieder ausgesetzt. Die dritte und bislang letzte Konferenz dieser Art fand 1986 ebenfalls im schweizerischen Chambesy statt.
Hauptursache für die lange Unterbrechung ist die Auseinandersetzungen zwischen den orthodoxen Patriarchaten von Moskau und Konstantinopel, bei denen es vor allem um die jurisdiktionelle Zugehörigkeit der orthodoxen Landeskirchen in einzelnen Nachfolgestaaten der Sowjetunion wie Estland oder der Ukraine ging. Erst im Oktober 2008 machte ein Treffen aller orthodoxen Kirchenoberhäupter in Istanbul den Weg frei für die Wiederaufnahme der Vorbereitungen für ein gesamtorthodoxes Konzil. Dieses Konzil sollte – ähnlich wie das Zweite Vatikanische Konzil für den Bereich der römisch-katholischen Kirche – auch in der Orthodoxie ein “Aggiornamento”, eine “Verheutigung” des kirchlichen Lebens herbeiführen. Eines der heikelsten Probleme ist dabei die Organisation des kirchlichen Lebens in der heute weltweiten orthodoxen Diaspora.
Die orthodoxen Kirchen verstehen sich als die ursprüngliche christliche Kirche, von der sich alle übrigen Kirchen im Laufe der Geschichte abgespalten bzw. entfernt haben, so auch die römisch-katholische Kirche. Daher verstehen sich die orthodoxen Kirchen auch als geistliche Heimat aller Christen in ihren jeweiligen Gebieten und sehen mit Befremden auf die zahlreichen evangelischen Konfessionen, insbesondere, wenn diese auf dem eigenen Gebiet Parallelkirchen eröffnen. Auch für die Errichtung von papsttreuen Parallelkirchen (Unierte Kirchen) und neuerdings von (lateinischen) katholischen Bistümern in orthodoxen Ländern herrscht wenig Verständnis. Vor allem die russisch-orthodoxe Kirche verteidigt ihr kanonisches Territorium und wirft der römisch-katholischen Kirche Proselytismus vor. Aus katholischer Perspektive gesehen wird hingegen auf Anhänger der römischen Kirche Druck ausgeübt, damit sie sich der Orthodoxie zuwenden.
Die orthodoxen Kirchen betonen den Wert der Einheit des Christentums, fast alle von ihnen haben sich dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) angeschlossen und führen einen ökumenischen Dialog zwecks Annäherung mit der römisch-katholischen, den altkatholischen, den anglikanischen, und den anderen orientalischen Kirchen. Sie lehnen es andererseits ab, sich durch Mehrheitsbeschluss Werte und Praktiken aufzwingen zu lassen, die nicht ihren Traditionen entsprechen (beispielsweise von einer Priesterin geleiteter Gemeinschaftsgottesdienst, gemeinsame Eucharistie, inklusive Sprache in Liturgie, Befreiungstheologie).
]]>Auf den 62-jährigen Metropoliten entfielen bei der geheimen Abstimmung im Landeskonzil, bestehend aus Bischöfen, Geistlichen und Laien, 508 Stimmen. Gegenkandidat Kliment kam auf 169 Stimmen. Der zunächst vom Bischofskonzil nominierte Metropolit Filaret hatte vor der Wahl zugunsten Kyrills verzichtet. Nach dem Kyrill die Wahl angenommen hatte, erhielt den Stab des Patriarchen überreicht und legte die Kleidung des Patriarchen an. Das Konzil erhob sich mit Psalmengesängen und feierte die Neuwahl mit einem Dankgottesdienst.
Kyrill betonte, dass der Patriarch ein schweres Kreuz zu tragen habe. “Ich nehme aus Ihren Händen diese Gnade Gottes an; ich bitte, meine menschlichen Schwächen zu verzeihen; ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Dienst für Gott. Beten Sie um Gottes Hilfe”, sagte das neue Kirchenoberhaupt.
Der neue Patriarch Kyrill I., mit bürgerlichem Namen Wladimir Michailowitsch Gundjajew, wurde am 20. November 1946 im damaligen Leningrad geboren. Nach dem Schulbesuch trat er in ein Priesterseminar ein, besuchte anschliessend die geistliche Akademie, die er mit Auszeichnung abschloss. Das Mönchsgelübde legte er 1969 ab und erhielt den Namen Kyrill. Schon ein Jahr später wurde er zum persönlichen Sekretär des Metropoliten von Leningrad ernannt. Seit 1970 lernte er als Vertreter russisch-orthodox-sowjetischer Jugendorganisationen die USA und verschiedene Länder Westeuropas kennen. Von 1971 bis 1974 amtierte er als Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf. In der Nachrüstungsdebatte in Westeuropa Anfang der 80er Jahre trat er als Kirchensprecher gegen das atomare Wettrüsten auf. Seit 1983 übernahm er ein Lehramt in der Moskauer Geistlichen Akademie. In der Phase der “Perestroika” von Michael Gorbatschow zählte Kyrill zu den Autoren des neuen russischen Gesetzes über Religionsfreiheit. 1988 wurde er Erzbischof, 1991 Metropolit. Seit November 1989 war Kyrill Leiter des Amtes für Aussenbeziehungen des Patriarchats und damit sozusagen “Aussenminister” der Russisch-Orthodoxen Kirche und damit gleichzeitig ständiges Mitglied des Heiligen Synod der Russisch-Orthodoxen Kirche. Nahezu zwei Jahrzehnte lang war Kyrill Leiter des Amtes für Aussenbeziehungen des Patriarchats und damit sozusagen “Aussenminister” der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Russlands Staatspräsident Dmitrij Medwedjew bot Kyrill I. in einem Telefonat die weitere Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche beim Aufbau moralischer Werte in der Gesellschaft an. Medwedjew äusserte sich laut einer Präsidentensprecherin überzeugt, dass der Patriarch für ein gutes Auskommen zwischen den Religionen in Russland eintreten werde. Auch Ministerpräsident Wladimir Putin beglückwünschte Kyrill telefonisch.
Die Inthronisation des neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russland, wie er offiziell heisst, fand am 1.Februar in der Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau statt. An der mehr als vierstündigen prunkvollen Feier nahmen auch Russlands Staatschef Dimitri Medwedjew und Ministerpräsident Wladimir Putin teil. Unter den zahlreichen internationale Kirchenvertretern waren der vatikanische Kurienkardinal Walter Kasper, der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Samuel Kobia sowie der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Colin Williams.
Der Russisch-Orthodoxen Kirche gehören mit 150 Millionen Mitgliedern mehr als die Hälfte der rund 250 Millionen orthodoxen Christen weltweit an. Schätzungsweise bekennen sich heute zwischen 70 und 80 Prozent der Russen zum orthodoxen Glauben.
]]>In Estland gibt es zwei orthodoxe Kirchen: die Orthodoxe Kirche von Estland, die seit 1996 unter der Jurisdiktion des Patriarchats von Konstantinopel steht, und die Estnische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats. Die Lösung des estnischen Problems ist einer der Streitpunkte zwischen den beiden Patriarchaten.
Im Jahre 2007 hatte der Zentralausschuss der KEK, die Orthodoxe Kirche von Estland als Teil einer Resolution als Mitglied aufgenommen, die eine spätere Entscheidung einer Mitgliedschaft der Estnischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats in Aussicht stellte.
Der Präsident der KEK, Pfarrer Jean-Arnold de Clermont, bedauerte die Entscheidung der Russisch-Orthodoxen Kirche. In einer ersten Stellungnahme betonte de Clermont: “Die Konferenz Europäischer Kirchen bedauert zutiefst die Entscheidung des Moskauer Patriarchats, ihre Teilnahme am Leben und Wirken der KEK ruhen zu lassen. Diese Entscheidung widerspiegelt in keiner Weise die Arbeit, die der Zentralauschuss während seiner Tagung auf Zypern leistete. Der Zentralausschuss hat klar den Wunsch zum Ausdruck gebracht, die ökumenische Zusammenarbeit in Estland und die Annäherung der beiden orthodoxen Kirchen zu fördern, die ja bereits Mitglied im Estnischen Kirchenrat (Estonian Council of Churches) sind. Allerdings war es dem KEK-Ausschuss nicht möglich weiter zu gehen, als die Entwicklung der Verhandlungen zwischen den beiden Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau zu beobachten.” Weitere Beschlüsse der KEK könne es erst geben, so der KEK-Präsident, wenn für alle Beteiligten eine annehmbare Lösung erreicht worden sei.
Das Präsidium der KEK hofft, auf ihrer nächsten Tagung im Februar 2009 vom weiteren Fortschritt in dieser innerorthodoxen Angelegenheit zu erfahren, um einer Lösung näher kommen zu können, die auch vom Moskauer Patriarchat mitgetragen werden könne.
Am Wochenende hatte der Moskauer Patriarch Aleksij II. an der panorthodoxen Synode (”Synaxis”) im Phanar in Konstantinopel teilgenommen. Dabei sollten mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. auch Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf Estland und die Ukraine zur Sprache kommen.
Die estnische Frage hat für Aleksij II. auch einen sehr persönlichen Aspekt. Der Patriarch, ein geborener Von Ridiger aus einem baltischen Adelsgeschlecht, das im 19. Jahrhundert orthodox geworden war, stammt aus Estland. Viele Jahre war er in der harten Zeit des “Stillstands” unter Breschnjew als Metropolit von Tallinn (Reval) für die orthodoxe Kirche in Estland verantwortlich.
]]>Text des Nachrufs seitens des ÖRK-Generalsekretärs (auf Englisch)
]]>Das müsse im Interesse aller sein, “die das menschliche Leben und die friedliche Entwicklung hochschätzen”, heisst es in einer am 8. August veröffentlichten Botschaft des Katholikos-Patriarchen. Jahrhundertealte Freundschaft und familiäre Beziehungen würden das georgische und das ossetische Volk verbinden, erinnerte Elias II. Noch wichtiger sei aber, dass die beiden Völker durch ihr christliches Bekenntnis geeint seien: “Wir müssen friedlich zusammenleben ohne Blutvergiessen”.
Bereits im Mai hatte der Patriarch leidenschaftlich an die georgischen, südossetischen und abchasischen Politiker appelliert, alle Probleme “durch friedlichen Dialog” zu lösen. Wörtlich sagte Elias II. damals: “Alle bewaffneten Konflikte oder militärischen Aktionen sind inakzeptabel, weil sie zu unübersehbaren Konsequenzen führen”. Die georgisch-orthodoxe Kirche werde alles tun, um das Vertrauen zwischen Georgiern, Südosseten und Abchasen wiederherzustellen, “sodass ein geordnetes Zusammenleben möglich ist”.
]]>Seit der letzten inter-orthodoxen Frauenkonsultation 1997 in Istanbul, Türkei, sind über zehn Jahre vergangen, in denen sich die Beteiligung der Frauen am Leben der Kirche verbessert hat. Bedeutende Meilensteine sind u.a. die Anerkennung von Frauenfragen durch die kirchlichen Strukturen und die Mitwirkung von Frauen in einer Reihe von kirchlichen Diensten und Entscheidungsprozessen.
Viele der Frauenanliegen sind jedoch im Leben der Kirche noch nicht wirklich aufgegriffen worden, darunter: Zugang zum und Finanzierung des theologischen Studiums und anschließende Anstellungschancen in der Kirche; Unterstützung und Zurüstung von Frauen für die Seelsorge und andere kirchliche Dienste; Mitwirkung in kirchlichen Entscheidungsprozessen; Neulektüre von Gebeten und Praktiken im Zusammenhang mit der weiblichen Biologie.
Zu diesen Schlussfolgerungen gelangten die Teilnehmerinnen einer fünftägigen Konsultation, zu der 45 Frauen aus östlich- und orientalisch-orthodoxen Kirchen in Europa, dem Nahen Osten, Asien, Australien und Nordamerika zusammengekommen waren.
Die Teilnehmerinnen der Konsultation empfahlen, angesichts der zahlreichen Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren eine umfassende Untersuchung der gegenwärtigen Situation und aktuellen Bedürfnisse orthodoxer Frauen vorzunehmen und einen Handlungsrahmen für die Zukunft auszuarbeiten. “Wir sehen die Notwendigkeit, zusammen mit unserer Kirchenleitung Wege und Instrumente zu identifizieren, um Beschlüsse und Empfehlungen von Frauenkonsultationen in unseren Kirchen umzusetzen“, erklärten die Teilnehmerinnen in dem Bericht über ihre Beratungen.
Die Konsultation fand in der Akademie für theologische Studien in Volos statt und wurde vom Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen für Frauen in Kirche und Gesellschaft organisiert. Gastgeberin war die Diözese Demetrias.
Vollständiger Bericht der inter-orthodoxen Konsultation (auf Englisch):
http://www.oikoumene.org/?id=6054&L=2
Die Millionen-Metropole Istanbul, die den europäischen und den asiatischen Kontinent verbindet sowie christliche und muslimische Geschichte und Kultur vereint, bot den idealen Rahmen für den Festakt: Zum dritten Mal war der von der Fokolar-Bewegung gestiftete Klaus Hemmerle-Preis für Dialog und Versöhnung vergeben worden.
Die Wahl des Ortes wollte ein Zeichen der Ermutigung und der Stärkung der Christen in der Türkei sein, deren Zahl extrem rückläufig ist. Seit 40 Jahren ist die bekannte Ausbildungsstätte für orthodoxe Nachwuchstheologen, die Theologische Fakultät des Ökumenischen Patriarchats Chalki, geschlossen. Allein bei der griechisch-orthodoxen Kirche in Istanbul ist die Zahl der Gläubigen von 300.000 im Jahre 1955 auf derzeit 3000 geschwunden.
Zur feierlichen Preisverleihung, die in einer sehr herzlichen und freundschaftlichen Atmosphäre statt fand, waren mehrere Gruppen aus Deutschland angereist. Darunter auch eine Delegation von 80 Personen mit den katholischen Bischöfen Heinrich Mussinghoff aus Aachen und Reinhard Lettmann aus Münster, dem griechisch-othodoxen Metropolit Augoustinos Lambardakis aus Bonn und dem Vikarbischof Evmenios Tamiolakis aus Aachen sowie dem Präsidenten Hans-Joachim Meyer und anderen Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Außerdem waren die Generalkonsule aus Deutschland, Österreich, Italien und Griechenland anwesend.
„Wie ein Stern am Himmel,” so der evangelische Altbischof und ehemalige Präsident des Lutherischen Weltbundes Christian Krause in seinem Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung im Hotel Euro Plaza „hat uns Klaus Hemmerle nach Istanbul geleitet.“ Als Vorgänger-Preisträger von 2006 freue sich Krause, dem Ökumenischen Patriarchen „die Fackel weiter geben“ zu können.
Kardinal Karl Lehmann hob in seiner Laudatio das geistliche Profil des Preisträgers hervor, der schon vor seiner Wahl zum Patriarchen wichtige Akzente im Ökumenischen Miteinander gesetzt habe. Neben den Stationen und Tätigkeiten seines Wirkens stellte er dessen ökumenische Grundhaltung ins Licht. Es ginge ihm nie darum, danach zu suchen, „wer zuerst und wer zuletzt einen Fehler begangen hat, oder wer von uns einen größeren oder kleineren Fehler begangen hat.“ Die fundamentale Frage laute, wie können wir unserem Nächsten, dem wir ja dienen, heilen und wie können wir auch durch ihn Heilung erfahren.
Bartholomaios I. hielt eine kurze Dankesansprache. Schon bald legte er den vorbereiteten Text beiseite um zu sagen, was ihm „aus dem Herzen“ komme. Er bedankte sich nochmals im Namen des gesamten Ökumenischen Patriarchats für die Ehrung und würdigte ausführlich das Werk von Klaus Hemmerle, der die Tradition der ökumenischen Bischofstreffen begonnen habe. Zur nächsten Begegnung im Libanon und in Damaskus würde er gerne persönlich kommen, wenn es sein Terminkalender zuließe. Er sprach davon, dass er von Papst Benedikt eingeladen sei, im Oktober nach Rom zu kommen, um vor der Weltsynode der Bischöfe zu sprechen. Daran mache er fest, wie weit die Gnade Gottes die Kirchen schon geführt habe. „Wenn wir sehen, wo wir begonnen haben und wo wir sind, dann haben wir nicht das Recht stehen zu bleiben oder rückwärts zu gehen,“ schloss er unter dem Applaus der Anwesenden.
Der von der Fokolar-Bewegung gestiftete Klaus Hemmerle-Preis wird alle zwei Jahre verliehen, um das Wirken von Persönlichkeiten im Sinne von Klaus Hemmerle als Brückenbauer zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen zu ehren. Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretern des Bistums Aachen, des Lehrstuhls für christliche Religionsphilosophie der Universität Freiburg, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der evangelischen oder orthodoxen Kirche und der Fokolar-Bewegung.
]]>Der Vespergottesdienst im Dom (Video dazu unter: www.bistumlimburg.de) war Auftakt einer Begegnung, zu der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst die Repräsentanten der christlich-orthodoxen Gemeinden im Bistum Limburg eingeladen hatte. So waren Erzpriester der griechisch-orthodoxen Kirche, der rumänisch-orthodoxen Kirche, der russisch-orthodoxen Kirche sowie Archimandriten der serbisch-orthodoxen Kirche in den Dom nach Limburg gekommen.
„Ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt Christus als Gewand angelegt“ – der Wahlspruch des Bischofs bildete das Leitwort des Vespergottesdienstes. Lesungen und Fürbitten unterstrichen die Verbundenheit von römisch-katholischen und orthodoxen Christen, die sich über die Jahrhunderte ein hohes Maß an gemeinsamem Glaubensgut bewahrt haben. Musikalisch gestaltet wurde die Vesper durch die Limburger Mädchenkantorei unter der Leitung von Domchordirektor Markus Melchiori sowie von Domorganist Prof. Markus Eichenlaub. Bei einem anschließenden Gespräch im Limburger Priesterseminar suchten die vor allem aus Frankfurt und Wiesbaden angereisten Vertreter der griechisch-, rumänisch-, russisch-, serbisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche nach Formen, durch die der gemeinsame Glauben auch gemeinsam bezeugt werden kann.
„Was über lange Zeit hin nur gewusst wurde: dass diese Kirchen bei allen Unterschieden in Theologie, Liturgie, Spiritualität, Recht doch sehr viel an Gemeinsamem bewahrt haben, sodass sie einander tief verwandt sind, das kann nun auch unmittelbar erlebt werden“, hieß es in der Einladung des Bistums Limburg an die Kirchenvertreter. Von Ökumene-Fachleuten wurde die vom Bistum organisierte Begegnung mit Repräsentanten der orthodoxen Kirche als herausragendes Ereignis bewertet.
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