Schon im Anspruch des christlich-islamischen Dialogs an sich liege nach Meinung der drei Referenten der Tagung eine Spannung. Weder seien einzelne christliche Konfessionen repräsentativ für alle Kirchen, noch biete sich auf islamischer Seite in den Ländern Europas ein autorisierter Gesprächspartner an. Selbst die formale Autorität der Al-Azar-Universität in Kairo sei im Islam letztendlich genauso wenig verbindlich für alle Beteiligten des Dialogs wie Stellungnahmen einer einzelnen Kirche für andere christliche Konfessionen. So habe sich der Grundsatz herausgebildet, mit dem jeweils direkten Nachbarn in den Dialog einzutreten – in Deutschland vorrangig mit dem sunnitischen Islam türkischer Prägung.
Die Vielfalt des Dialogs stelle nach Ansicht von Dr. Jochen Kramm (Wien) eine wünschenswerte Erweiterung dar. Der Referent der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) unterschied dabei zwischen einfachen Gesprächsmodellen und einem ergebnisoffenen und die Wahrheitsfrage offen lassenden Dialog. Gleichzeitig werde ein interreligiöser Dialog, so Kramm, unter dem Kennzeichen des Zeugnisgebens immer auch einen einladenden Charakter haben müssen.
Alternative Dialogkonzepte stellten der baptistische Dozent Dr. Peter F. Penner aus Prag und Dr. Jaap Hansum vom Bijbelhuis Antwerpen dar. In den missionarisch ausgerichteten Dialogkonzepten stehe das Zeugnis an erster Stelle. Das schliesst aber keineswegs eine hohe soziale Verpflichtung dem Einzelnen gegenüber aus. Der missionarische Dialogansatz sei dabei eher typisch für Minderheitskirchen. Die grossen Konfessionskirchen betrieben aus ihrer zivilgesellschaftlich stabilisierenden Funktion heraus weitgehend offenere Formen des Dialogs.
An der 46. Jahrestagung des Evangelischen Arbeitskreises für Konfessionskunde in Europa (EAKE) nahmen Delegierte aus zwölf europäischen Ländern teil, die 21 Kirchen, Freikirchen und ökumenische Institutionen repräsentierten. Der EAKE begleitet seit 1962 ökumenische Dialogprozesse der protestantischen europäischen Kirchen und gilt als einer der Wegbereiter der Leuenberger Konkordie von 1973, ein grundlegendes Dokuments der innerprotestantischen europäischen Einheit. Der EAKE wird getragen vom Evangelischen Bund in Deutschland und Österreich, dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Ungarn und dem Maatschepej van Welstrant (Niederlande) in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE).
]]>“Dialog ist lebensnotwendig. Er ist einer der wichtigsten Wege zum gegenseitigen Kennenlernen, zur Zusammenarbeit, zum Meinungsaustausch und zur Wahrheitsfindung, die allesamt zum Wohlergehen der Menschheit beitragen.” Das Kommuniqué ruft nachdrücklich zum kontinuierlichen Dialog zwischen den Reglegionen, Zivilisationen und Kulturen auf, ersucht die UN-Generalversammlung, die Empfehlungen dieser Weltkonferenz zu unterstützen, und bringt positive Erwartungen an Folgeveranstaltungen zum Ausdruck.
Metropolit Emmanuel (Adamakis) von Frankreich, der im Namen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Ökumenischen Patriarchats sprach, erklärte, dass der interreligiöse Dialog seit langem ein seelsorgerisches wie inhaltliches Anliegen des Ökumenischen Patriarchats und des ÖRK sei.
“Glaubensgemeinschaften können mit geistlichem Humanismus und Ökumene ein Gegengewicht zu weltlichem Humanismus und Nationalismus bilden”, sagte Metropolit Emmanuel in seiner Ansprache vor der Madrider Versammlung, die von König Abdullah ibn Abd al-Aziz Al Sa’ud von Saudi-Arabien nach Madrid einberufen worden war. “Wir können unsere Unterschiede ebenso wenig verleugnen wie die Notwendigkeit von Allianzen und Zusammenarbeit, die die Welt vor dem blutigen Abgrund, in den extremer Nationalismus und Intoleranz führen, bewahren können”, fuhr der Metropolit fort.
In seiner Eröffnunsansprache am Mittwoch erklärte der saudische Monarch: “Wir müssen der Welt sagen, dass Unterschiede nicht zwangsläufig zu Streitigkeiten führen. An den Tragödien, die die Menschheitsgeschichte durchziehen, war nicht die Religion schuld, sondern der Extremismus von Menschen aus allen Religionen und allen politischen Systemen.”
“Diese Veranstaltung ist nicht nur deswegen historisch, weil der Aufruf von einem König und von muslimischer Seite kam, sondern auch, weil unter den Dialogpartnern Hindus, Buddhisten und Sikhs waren, die von konservativen Muslimen normalerweise nicht als Vertreter echter Religionen angesehen werden”, sagte Pfarrer Dr. Shanta Premawardhana, Direktor des ÖRK-Programms für interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit, der ebenfalls an der Konferenz teilnahm. Unter den zahlreich vertretenen Christen war auch Jean-Louis Kardinal Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Ferner nahmen jüdische Wortführer an der Konferenz teil.
“Es ist ein guter Anfang und in der Tat eine Leistung, dass so viele Religionsführer der Einladung des Königs gefolgt sind”, sagte Premawardhana.
]]>Eine Wippe scheint Hannelore Bartscherer ein gutes Symbol für das Zusammenleben der Religionen Köln: Auf einer Wippe geht es zwar auf und ab, aber es macht Spaß, darauf zu spielen und jeder braucht den anderen, damit sich etwas bewegt, erklärt die Vorsitzende des örtlichen Katholikenausschusses den Gästen aus dem ÖRK. Nahe liegend also, dass eine Initiative, die sich ein gutes Miteinander im Alltag zum Ziel gesetzt hat, einmal im Jahr eine Wippe auf einem Kölner Spielplatz finanziert und Spielplatzpaten aus allen drei Religionen dafür sucht.
Begonnen hatte “Weißt Du wer ich bin?” in Köln erheblich theoretischer, nämlich mit der feierlichen Unterzeichnung einer “Kölner Friedensverpflichtung”, einer Art Charta für gegenseitige Akzeptanz und Gewaltlosigkeit. Der Katholikenausschuss um Hannelore Bartscherer hatte dafür die Initiative ergriffen und Partner in den christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden der Stadt gesucht. Nicht alle machten mit: Als offizielle Vertretung von jüdischer Seite wurde die orthodoxe Synagogen-Gemeinde als größere der beiden Kölner Gemeinden eingeladen, erklärte Bartscherer. Und obwohl Köln der Sitz zahlreicher muslimischer Verbände und Organisationen ist, engagierte sich von muslimischer Seite lediglich die Ditib in dem Projekt.
Die teilnehmenden Gruppen entsandten ein Mitglied in ein Planungsgremium und formulierten in zähem Ringen den Text. Gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma unterzeichneten sie 2006 dann feierlich die Charta im historischen Rathaus der Stadt. Mit Absicht habe man das Rathaus als neutralen Ort gewählt, der alle Religionen eine, berichtet Bartscherer. Es war das erste Mal, dass sich die großen drei Religionen in Köln gemeinsam öffentlich zu Wort meldeten und sich für ein friedliches Miteinander einsetzten. “Ich bin zutiefst dankbar, dass durch das Projekt unter uns Vertrauen gewachsen ist”, so Bartscherer.
Schon immer fanden im überwiegend katholisch geprägten Köln die Religionen einen Weg, miteinander auszukommen. Seit Jahrhunderten zieht es christliche Wallfahrer zu den Gebeinen der Heiligen Drei Könige in den Dom, die Stadt hat sehr alte jüdische Wurzeln, außerdem leben hier heute 120.000 Frauen und Männer muslimischen Glaubens. Immer wieder stehen die Religionen im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte: Sei es, dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner mit seinen pointierten Positionen für Debatten sorgt; sei es, weil der Neubau eines repräsentativen Moscheebaues massive Proteste rechter Gruppierungen hervorruft, oder sei es, weil um den Standort eines geplanten jüdischen Museums gestritten wird.
Um Konflikten vorzubeugen, gibt es seit 2006 in Köln zweimal im Jahr einen Runden Tisch, den “Rat der Religionen”, wie Dr. Sonja Sailer-Pfister vom Stadtdekanat Köln beschrieb. “Wir wollen die Kommunikation stärken, Missverständnisse klären und ein Krisenmanagement etablieren”, berichtete sie. Vorbild sei dabei ein Modell aus der Partnerstadt Liverpool. Theologische Diskussionen würden nicht geführt, dafür wolle man aber über alle wichtigen Alltagsthemen im Gespräch bleiben und über die Besonderheiten der Gruppierungen informieren. Gemeinsam habe man bereits einen Festkalender aller Religionen erstellt, der auf dem Internetportal der Stadt abzurufen sei. In Planung befinden sich ein Kölner Buch der Religion und ein gemeinsamer Tag der Religion 2009. Auch eine Erklärung gegen Islamophobie möchte man gemeinsam entwerfen, so Sailer-Pfister. “Wir wollen die Ängste der Leute aufgreifen.”
Zu erhitzten Diskussionen hatte zuletzt der geplante Neubau einer repräsentativen Moschee der Ditib im Kölner Stadtteil Ehrenfeld geführt. Zurzeit gebe es etwa 70 Moscheen in Köln, die sich aber fast alle in Häusern und Hinterhöfen befänden, sagte Hannelore Bartscherer. Der Neubau stocke nun angesichts der politischen Debatten, die insbesondere die rechtspopulistische Partei ProKöln angefacht habe. “Wir könnten aus juristischer Sicht die Moschee bauen, aber aus politischen Gründen müssen wir abwarten”, beschrieb es Ditib-Vertreter Hasan Karaca vom Forschungszentrum Religion und Gesellschaft. Es deprimiere ihn, dass die Medienberichterstattung oft Vorurteilen geleitet sei. Wie zuletzt, als eine renommierte Tageszeitung den Bauherren eine angeblich fundamentalistische Innenarchitektur vorgeworfen habe.
Zwei Stunden lang konnten sich der anglikanische Erzbischof Bernard Ntahoturi aus Burundi, die griechisch-orthodoxe Theologin Aikaterini Pekridou, Thomas Yonker aus der US-Kirche Diciples of Christ (Jünger Christi) und Janette Bächtold Ludwig von der lutherischen Kirche Brasiliens, sowie der Stellvertretende Generalsekretär der ÖRK, Georges Lemopoulos und Pfarrerin Sabine Udodesku aus dem Genfer Büro des ÖRK ein genaues Bild der interreligiösen Beziehungen in der Domstadt machen. Die “Lebendigen Briefe” hörten zu, fragten kritisch nach und gaben Tipps.
Erzbischof Ntahoturi erkundigte sich nach dem Platz der afrikanischen Christen und Moslems in der Zusammenarbeit der Kölner Religionen. Sowohl Pfarrer Dr. Martin Bock für die evangelische Seite als auch Hannelore Bartscherer vom Katholikenausschuss bedauerten, dass die afrikanischen Christen bislang kaum ihren Einladungen nach Zusammenarbeit nachgekommen seien und recht isoliert lebten. Afrikanische und arabische Moslems seien hauptsächlich im Zentralrat der Muslime organisiert.
Ntahoturi ging auch auf die Kölner Probleme beim Moscheebau ein und fragte nach, wie der Umgang mit muslimischen Offiziellen sei, die den Christen in ihren Ländern das Beten verbieten wollten. Martin Bock erwähnte die seiner Ansicht nach gute Idee des Kölner Kardinals, von türkischen Offiziellen im Gegenzug für den Kölner Moscheebau die Erlaubnis zu erbitten, ein Pilgerzentrum und eine Pauluskirche in Tarsus in der Türkei zu bauen. Gertrud Casel von der Deutschen Kommission Justitia et Pax sprach sich dagegen aus, Vorbedingungen in anderen Ländern für den Moscheebau in Köln zu stellen. “Wir fordern in Deutschland Religionsfreiheit für alle”, sagte Casel.
Einen Blick über den Tellerrand empfahl Georges Lemopoulos im Kampf gegen Islamophobie. Interessant sei es, darüber mit Christen in muslimischen Ländern zu sprechen. “Es gibt dort erfolgreiche Modelle der Zusammenarbeit, die man kopieren kann – und natürlich auch solche, die man vermeiden sollte”, berichtete der stellvertretende ÖRK-Generalsekretär. Er dankte den Kölnerinnen und Kölnern für ihre Offenheit. Das Thema interreligiöser Dialog stehe weiter ganz oben auf der ÖRK-Agenda.
Autorin: Carmen Molitor arbeitet als freie Journalistin in Köln unter anderem für die Katholische Nachrichtenagentur KNA und den Reader's Digest Deutschland
]]>Unter den mehr als 50 eingeladenen Vertretern der Weltreligionen sind Vertreter der Anglikanischen Kirche, lutherischer und reformierter Kirchen, der römisch-katholischen Kirchen und orthodoxer Kirchen ebenso wie namhafte Vertreter des Islams, des Judentums und östlicher Religionen.
Zum ersten Mal fand eine ähnliche Konferenz mit Vertretern christlicher Kirchen anlässlich des G8-Gipfels in Schottland im Jahr 2005 statt. In Russland wurde dann anlässlich des G8-Gipfels 2006 ein „Religious Leaders Summit“ mit Vertretern der verschiedenen Weltreligionen veranstaltet.
Pressestelle der EKD
]]>Neben dem fachlichen Austausch seien dabei persönliches Kennenlernen und Vertrauen wichtige Elemente. Äußerungen der Wertschätzung des Zweiten Vatikanischen Konzils gegenüber dem Islam, auf die sich Bischof Fürst berief, seien „dem Brief eines Freundes vergleichbar, abgesandt in der Hoffnung, dass er auch von der anderen Seite eine Antwort bekommt“. Er betonte dabei den Wunsch, dass freie Religionsausübung auch in bestimmten muslimisch geprägten Gesellschaften und Staaten gelten müsse. Seinen muslimischen Gesprächspartnern stellte er die Frage, wie durchsetzungsfähig die demokratischen Kräfte des Islam gegenüber gewaltbereiten Personengruppen seien.
Im Koran, darauf wies Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union für religiöse Angelegenheiten, Köln, hin, gebe es ausdrückliche Formulierungen der Hochschätzung gegenüber dem Christentum. Im Namen der muslimischen Gesprächspartner betonte Rhiad Ghalaini, Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Baden-Württemberg, das Bekenntnis des Islam zur Informations-, Meinungs- und Pressefreiheit. Der ethische Kodex der Presse widerspreche jedoch der Schmähung von Religionen sowie Diskriminierungen jeder Art. Dies müsse auch gegenüber dem Islam gelten. Mit Bezug auf eine Untersuchung an der Universität Erfurt von Januar 2007 über das Gewalt- und Konfliktbild des Islam in Magazinen und Talksendungen öffentlich rechtlicher Sendeanstalten hatten die muslimischen Gesprächspartner die Darstellung des Islam in den Medien als zentrales Gesprächsthema gewünscht. Der Islam, so beklagte Ghalaini, werde in den Medien überwiegend mit Extremismus und Gewalt in Verbindung gebracht. Dadurch entstehe ein ungerechtfertigtes Zerrbild, durch das der Islam weniger als Religion denn als politisches System erscheine, das den Grundwerten westlicher Gesellschaften entgegenstehe. Von der Kirche, das betonten mehrere Teilnehmer der Gesprächsrunde, erwarteten Muslime, dass sie derartige Bilder nicht durch eigene Äußerungen verstärke. Es gebe zu aktuellen Anlässen immer wieder ausdrückliche Erklärungen muslimischer Organisationen, in denen sie jede Gewalt verurteilen und ihr Bekenntnis zu demokratischen Werten zum Ausdruck bringen. Leider werde dies von den Medien oft nicht berücksichtigt und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Medienethische Standards müssten auch gegenüber dem Islam gelten. Gemeinsam äußerten die Gesprächsteilnehmer den Wunsch einer differenzierten Berichterstattung über den Islam.
Übereinstimmend betonten die christlichen und die muslimischen Teilnehmer der in offener Atmosphäre verlaufenen Runde den Abscheu gegenüber jedem Terror und die große Verantwortung der Repräsentanten der verschiedenen Religionen, der politischen Instrumentalisierung der Religion und dem damit zusammenhängenden Extremismus entgegen zu wirken. Beide Seiten äußerten den Wunsch, die Gespräche fortzusetzen.
]]>Inhaltlicher Schwerpunkt der Begegnung war in diesem Jahr das Thema „Chancen und Grenzen eines Dialogs mit dem Islam“. Vor rund 250 Hochschullehrerinnen und -lehrern unterstrich Zollitsch in der Katholischen Akademie die Notwendigkeit eines „aufrichtigen“ Dialogs. Die Globalisierung im Alltag, die in den Gemeinden und Städten zum Beispiel durch das Nebeneinander von Kirchen und Moscheen hautnah erlebt werde, sei nicht nur bereichernd, sondern verunsichere und ängstige auch. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ergebe sich nicht von selbst. Es brauche „erneute, große Anstrengungen, um verstärkt in einen geduldigen Dialog zu kommen“, sagte der Erzbischof. In diesem Zusammenhang sprach er sich erneut für einen muslimischen Religionsunterricht in deutscher Sprache aus.
Zollitsch bezeichnete den Dialog auf Augenhöhe als charakteristisches Kennzeichen und notwendige Verhaltensweise in einer demokratischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Die Schwierigkeit beim Islam bestehe darin, autorisierte und akzeptierte Gesprächspartner zu finden. Der so genannte Koordinierungsrat der Muslime, der sich im Vorfeld der Islam-Konferenz zusammengeschlossen hat, sei ein Versuch, einen zentralen Gesprächspartner für die Belange der Muslime zu etablieren. Zum aufrichtigen Dialog gehört es für den Freiburger Erzbischof, auf dem gemeinsamen Boden des Grundgesetzes Fragen stellen zu dürfen und im Einzelfall auch Grenzen zu setzen dort, wo Personenrechte wie die freie Religionsausübung oder die Würde der Frau gefährdet sind.
Der Freiburger Islamwissenschaftler Professor Dr. Maurus Reinkowski betonte in einem Vortrag, dass es nicht allein um einen interreligiösen Dialog als Austausch über Glaubenswahrheiten gehe, sondern um eine viel umfassendere und grundlegendere Auseinandersetzung. „Die deutsche Öffentlichkeit will den Islam verstehen, aber offensichtlich nicht in erster Linie aus einem Interesse der religiösen Verständigung, sondern getrieben von einem Gefühl der unmittelbaren politischen Dringlichkeit“, sagte Reinkowski. Er warnte in diesem Zusammenhang vor einer „Ethnisierung des Muslimseins“. Teilweise werde dem Muslim nicht nur eine religiöse Zugehörigkeit zugewiesen, „sondern gewissermaßen eine ethnisch-rassische“. Muslime müssten in ihrem Anspruch ernst genommen werden, dass sie in einem demokratischen Deutschland leben wollten und die Verfassung akzeptierten. Besonders gefährlich sei in diesem Zusammenhang der Verdacht eines islamistischen Schläfertums oder der Doppelzüngigkeit. Doppelbödige Argumentationen der Muslime seien auch Ergebnis der zwiespältigen Lage, in der Muslime sich befänden. „Beide Seiten sind es sich jedoch schuldig, sich jeweils beim Wort zu nehmen“, so Reinkowski.
Dabei sei zwischen einem Dialog mit „dem Islam“, den es nicht gebe, und einem Dialog mit den Muslimen zu unterscheiden. Zur Zeit erfolge die Auseinandersetzung mit den Muslimen und dem Islam in Deutschland vor allem auf einer „Ebene der pragmatischen Aushandlung“. Der deutsche Staat, die deutsche Öffentlichkeit und die Muslime in Deutschland hätten ein Interesse, zu einer Übereinkunft zu kommen, sagte er im Zusammenhang mit der Islam-Konferenz, die gestern zum zweiten Mal in Berlin zusammen gekommen war.
Der Dialog mit „dem Islam“ sei aber ein weitaus ambitionierteres Unternehmen und könne Ländergrenzen nicht beachten. Hier gehe es um Grundsätzliches im Verhältnis zwischen den Religionen. Jede von ihnen tue sich auf ihre Weise schwer, ihren Absolutheitsanspruch aufzugeben. Nicht nur im unmittelbaren Dialog zwischen den Religionen, sondern auch im Falle eines „säkularisierten“ Dialogs, der nicht nur gläubige Christen und Muslime umfassen wolle, lassen sich, so Reinkowski, die eigenen kulturellen Wertemuster nicht einfach auf andere Kulturen übertragen. „Was dem Westen als zivilisatorischer Universalismus vorkommt, ist für andere nichts als ein mit Schleife verpackter westlicher Imperialismus“, sagte er. (pef)
]]>„Dialogarbeit ist keine Arbeit, die man in vier Wänden abhaken kann”, machte Bekir al Boga, Zweiter Imam der Mannheimer Yavuz-Sultan-Selim-Moschee und Dialogbeauftragter der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), deutlich.
Am Beispiel der Mannheimer Moschee machte er die Schwierigkeiten und Chancen von Integrationsarbeit deutlich. „Es war kein Kuscheldialog”, beschrieb er den Prozess. Viele Anwohner seien dagegen gewesen, dass in ihrem Stadtteil eine Moschee gebaut werden sollte. „Am Ende haben wir die Anwohner überzeugt, dass es den Integrationsprozess fördert”, sagte al Boga. Während der Einweihung 1995 seien dann „mehrere Tausend” Gäste gekommen, darunter auch sehr viele Deutsche und Christen. „Die Muslime haben dann versprochen, ein offenes Haus zu bauen”, sagte al Boga. Dies sei bis heute so. „Die Bürger haben ein Recht und einen Anspruch darauf, zu wissen, was hinter den verschlossenen Türen der Moschee geschieht, jederzeit, auch während des Gebets”, machte er deutlich. Als Ergebnis dieses Prozesses sei Mannheim heute vorbildlich bei der Integrations- und Dialogarbeit. „Inzwischen wirbt die Stadt auf internationaler Ebene damit, dass dort Kirche, Synagoge und Moschee in einem Dreieck nahe beieinander stehen”, sagte al Boga.
Trotz dieses Prozesses gebe es noch große Probleme bei der Integration. „Viele Imame können noch kein Deutsch”, sprach der Vertreter der DITIB eines der Probleme an. Das sei auf Dauer nicht tolerierbar. „Wir haben da viel Zeit versäumt”, meinte er selbstkritisch. „Unsere Imame müssen deutsch können”, sagte al Boga, alles andere sei „ein großes Hindernis bei der Integration”. Sein Verband arbeite aber derzeit „sehr heftig daran”, all seinen islamischen Geistlichen Deutsch beizubringen. „In 20 Jahren werden unsere Predigten auf deutsch gehalten werden”, zeigte er sich überzeugt und wies auf seine Predigt während des Katholikentages in Saarbrücken hin, die er zu drei Viertel auf Deutsch gehalten habe. Deutlich distanzierte sich al Boga vom Kölner Kalifatsstaat des Metin Kaplan oder einem wahabitisch geprägten Islam, wie er in Saudi-Arabien gelehrt werde. „Das sind die großen Schandflecken, für die ich mich geschämt habe, solange sie da waren”, machte al Boga deutlich.
Der KMF ist mit bundesweit rund 5.500 Mitgliedern einer der größten Akademikerverbände. Ziel des 1919 ursprünglich als „Schülerverein Neudeutschland” gegründeten Verbandes ist die christlich motivierte Mitgestaltung der Gesellschaft.
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