Keine Alternative zu aufrichtigem Dialog mit dem Islam
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4. Mai 2007 abgelegt unter Dialog, Katholisch.
FREIBURG – Erzbischof Dr. Robert Zollitsch hat sich für einen entschiedenen und von gegenseitigem Respekt gekennzeichneten Dialog mit dem Islam ausgesprochen. Zugleich hält er es für unverzichtbar, „dass Muslime sich von all denjenigen distanzieren, die im Namen ihrer Religion Gewalt ausüben und morden“. Wenn die schweigende Mehrheit ihre Position deutlich zum Ausdruck bringe und Gewalt eine eindeutige Absage erteile, „können vielleicht so manche Schwankende für Toleranz und den Sinn sowie die Einhaltung von Menschenrechten gewonnen werden“, betonte er am Donnerstagabend (3. Mai 2007) bei einem Treffen mit den Professorinnen und Professoren der Freiburger Hochschulen.
Inhaltlicher Schwerpunkt der Begegnung war in diesem Jahr das Thema „Chancen und Grenzen eines Dialogs mit dem Islam“. Vor rund 250 Hochschullehrerinnen und -lehrern unterstrich Zollitsch in der Katholischen Akademie die Notwendigkeit eines „aufrichtigen“ Dialogs. Die Globalisierung im Alltag, die in den Gemeinden und Städten zum Beispiel durch das Nebeneinander von Kirchen und Moscheen hautnah erlebt werde, sei nicht nur bereichernd, sondern verunsichere und ängstige auch. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ergebe sich nicht von selbst. Es brauche „erneute, große Anstrengungen, um verstärkt in einen geduldigen Dialog zu kommen“, sagte der Erzbischof. In diesem Zusammenhang sprach er sich erneut für einen muslimischen Religionsunterricht in deutscher Sprache aus.
Zollitsch bezeichnete den Dialog auf Augenhöhe als charakteristisches Kennzeichen und notwendige Verhaltensweise in einer demokratischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Die Schwierigkeit beim Islam bestehe darin, autorisierte und akzeptierte Gesprächspartner zu finden. Der so genannte Koordinierungsrat der Muslime, der sich im Vorfeld der Islam-Konferenz zusammengeschlossen hat, sei ein Versuch, einen zentralen Gesprächspartner für die Belange der Muslime zu etablieren. Zum aufrichtigen Dialog gehört es für den Freiburger Erzbischof, auf dem gemeinsamen Boden des Grundgesetzes Fragen stellen zu dürfen und im Einzelfall auch Grenzen zu setzen dort, wo Personenrechte wie die freie Religionsausübung oder die Würde der Frau gefährdet sind.
Der Freiburger Islamwissenschaftler Professor Dr. Maurus Reinkowski betonte in einem Vortrag, dass es nicht allein um einen interreligiösen Dialog als Austausch über Glaubenswahrheiten gehe, sondern um eine viel umfassendere und grundlegendere Auseinandersetzung. „Die deutsche Öffentlichkeit will den Islam verstehen, aber offensichtlich nicht in erster Linie aus einem Interesse der religiösen Verständigung, sondern getrieben von einem Gefühl der unmittelbaren politischen Dringlichkeit“, sagte Reinkowski. Er warnte in diesem Zusammenhang vor einer „Ethnisierung des Muslimseins“. Teilweise werde dem Muslim nicht nur eine religiöse Zugehörigkeit zugewiesen, „sondern gewissermaßen eine ethnisch-rassische“. Muslime müssten in ihrem Anspruch ernst genommen werden, dass sie in einem demokratischen Deutschland leben wollten und die Verfassung akzeptierten. Besonders gefährlich sei in diesem Zusammenhang der Verdacht eines islamistischen Schläfertums oder der Doppelzüngigkeit. Doppelbödige Argumentationen der Muslime seien auch Ergebnis der zwiespältigen Lage, in der Muslime sich befänden. „Beide Seiten sind es sich jedoch schuldig, sich jeweils beim Wort zu nehmen“, so Reinkowski.
Dabei sei zwischen einem Dialog mit „dem Islam“, den es nicht gebe, und einem Dialog mit den Muslimen zu unterscheiden. Zur Zeit erfolge die Auseinandersetzung mit den Muslimen und dem Islam in Deutschland vor allem auf einer „Ebene der pragmatischen Aushandlung“. Der deutsche Staat, die deutsche Öffentlichkeit und die Muslime in Deutschland hätten ein Interesse, zu einer Übereinkunft zu kommen, sagte er im Zusammenhang mit der Islam-Konferenz, die gestern zum zweiten Mal in Berlin zusammen gekommen war.
Der Dialog mit „dem Islam“ sei aber ein weitaus ambitionierteres Unternehmen und könne Ländergrenzen nicht beachten. Hier gehe es um Grundsätzliches im Verhältnis zwischen den Religionen. Jede von ihnen tue sich auf ihre Weise schwer, ihren Absolutheitsanspruch aufzugeben. Nicht nur im unmittelbaren Dialog zwischen den Religionen, sondern auch im Falle eines „säkularisierten“ Dialogs, der nicht nur gläubige Christen und Muslime umfassen wolle, lassen sich, so Reinkowski, die eigenen kulturellen Wertemuster nicht einfach auf andere Kulturen übertragen. „Was dem Westen als zivilisatorischer Universalismus vorkommt, ist für andere nichts als ein mit Schleife verpackter westlicher Imperialismus“, sagte er. (pef)