Kobia ruft zu ökumenisch verantwortlicher Evangelisation auf
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30. April 2007 abgelegt unter ÖRK, Ökumene.
EDINBURGH – Im Vorfeld der 100-Jahr-Feier der Weltmissionskonferenz, die 1910 in Edinburgh stattfand und als Symbol für den Beginn der modernen ökumenischen Bewegung steht, nahm der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfr. Dr. Samuel Kobia, eine fundierte Analyse der Erfolge und Misserfolge der ökumenischen Bewegung im vergangenen Jahrhundert vor und rief zu einer “ökumenisch verantwortlichen Evangelisation” auf.
In seiner Ansprache, die er am Freitag, dem 27. April, in Edinburgh, Schottland, auf einer Tagung zur Vorbereitung der 100-Jahr-Feier dieser historischen Veranstaltung hielt, bekräftigte Kobia: “Wir brauchen ein neues Edinburgh und können nur hoffen, dass die für 2010 geplante Feier ein Schritt in diese Richtung sein wird.”
Eine “Neuauflage” der Edinburgher Weltmissionskonferenz könne es nur geben, wenn die neueren dynamischsten Missionsbewegungen einbezogen würden, erklärte Kobia. Diese “entstammen christlichen Traditionen, die in keinem der formellen, aus den Strukturen des letzten Jahrhunderts erwachsenen Foren vertreten sind”.
Erst wenn das neue Gesicht des Christentums, das “durch die von der Pfingst- und charismatischen Bewegung ausgelöste spirituelle Revolution” geprägt worden sei, anerkannt werde, könne ein “fruchtbarer theologischer Dialog über Prioritäten und Verhaltensgrundsätze in der Mission” stattfinden.
In diesem Sinne sei es besonders dringlich, dass Mission “in einer Weise verstanden und praktiziert wird, die nicht zu einem weiteren Ansteigen von Hass und Gewalt führt”. Neue Formen “einer nicht-aggressiven Evangelisation” müssten “das mutige Zeugnis von Christus und dem Reich Gottes zusammenhalten mit dem fundamentalen Respekt vor Männern, Frauen und Kindern mit den unterschiedlichsten Glaubensüberzeugungen”.
Unter “ökumenisch verantwortlicher Evangelisation” versteht Kobia “eine Verkündigung, die Hochmut und Sünde des Menschen kritisch begegnet und klar zum Ausdruck bringt, dass Gott Frieden statt Krieg, Leben statt Tod, Einheit statt Spaltung, Vergebung statt Rache will”.
Im Blick auf das berühmt gewordene Motto von Edinburgh “Evangelisation der Welt in dieser Generation” räumte der ÖRK-Generalsekretär ein, dass der Anteil der Christen an der Weltbevölkerung mit rund einem Drittel hundert Jahre später noch gleich groß sei.
“Realistisch gesehen macht es keinen Sinn, die Losung von Edinburgh einfach zu wiederholen”, argumentierte Kobia. Stattdessen schlug er vor, sich angesichts des tief greifenden Wandels, der seit 1910 sowohl in der Welt als auch im Christentum stattgefunden habe, auf “die Mission dieser Generation in einer globalisierten Welt” zu konzentrieren.
Laut Kobia gehören dazu “die Heilung christlicher Spaltungen, der Aufbau von heilenden und versöhnenden Gemeinschaften, der kritische Umgang mit allen Versuchen, Gewalt zu rechtfertigen, das Streben nach Frieden als einer Gabe Gottes und die Verkündigung des Evangeliums in der Nachfolge Jesu Christi”.
Zu den Erinnerungen, die geheilt werden müssten, gehöre die Spaltung zwischen “Christen aus der evangelikal geprägten Missionsfamilie und Christen aus der konziliar oder ökumenisch geprägten Missionsfamilie”. Wenn in der Zusammenarbeit bis 2010 und darüber hinaus irgendwelche Fortschritte erreicht werden sollten, so Kobia, “müssen wir einen Weg finden, gegenseitige Übertreibungen und herabsetzende Urteile einzugestehen”, um so “einen authentischen Versöhnungsprozess” in Gang setzen zu können.
Der ÖRK-Generalsekretär hat derzeit die Hälfte seines Besuchsprogramms in Großbritannien und Irland absolviert, wo er vom 24. April bis 4. Mai Mitgliedskirchen des Rates besucht.